PROJEKTE

Abschlussbericht des Projekts   

Projektbeschreibung

Projektziele gemäß Projektantrag von 06/2018

 

Zur Bedarfsermittlung auf betrieblicher Ebene sollte das 2018 erstmals vom Kompetenzzentrum Digitales Handwerk (KDH) vorgestellte Methodenkonzept der Digitalisierungswerkstatt verwendet werden. Dieses war zuvor erstmalig von der Handwerkskammer Hannover in der Praxis erprobt worden.

 

Ergänzend sollten bei Betrieben, welche für die Mitwirkung bei der Digitalisierungswerkstatt gewonnen werden konnten, initiale Digitalisierungschecks (nachfolgend „Digi-Checks“ genannt) durchgeführt werden. Dieses Fragenkonzept der Digi-Checks war zuvor in Zusammenarbeit mit den Beauftragten für Innovation und Technologie (BIT) der deutschen Handwerkskammern erarbeitet worden.Die Durchführung der Digitalisierungswerkstatt mit  Betrieben des Kammerbezirkes der Handwerkskammer Ulm (HWK Ulm) sowie der vorgeschalteten Digi-Checks diente dem Ziel, Bedarfe für die zu erarbeitenden Qualifikationsmodule zu erkennen, aber auch die teilnehmenden Betriebe durch Erarbeitung von individuellen Digitalisierungsstrategien konkret in ihrem jeweiligen Transformationsprozess zu unterstützen. Es sollten also auch konkrete Mehrwerte für die teilnehmenden Betriebe generiert werden.

 

Das Gewerk Sanitär Heizung Klima (SHK) ist als energieaffin anzusehen und ein Paradebeispiel dafür, wie die Digitalisierung Einzug auch ins Handwerk hält. Anlagen- und Gebäudetechnik werden immer stärker mit Ihrer Peripherie vernetzt und ermöglichen z.B. Smart-Home- und Smart Grid-Anwendungen. Die Verknüpfung mit Energie erzeugenden Anlagen (regenerative Energien) hinsichtlich Strom-, Wärme- und Datenfluss schafft den direkten Bezug zu den fachlichen Themenschwerpunkten des WBZU.

 

Nach Möglichkeit sollte im Projekt der Fokus auf die spezifischen Bedürfnisse der Gewerke mit Bezug zu Energie ("Energiehandwerke") gelegt werden. Zu Beginn war allerdings noch völlig unklar, wie weitreichend dabei die Überschneidungen zwischen den Energiehandwerken und allen anderen Handwerkssparten sein würden. In der Beschreibung der Projektergebnisse wird noch einmal auf diesen wichtigen Punkt eingegangen.

 

Zunächst sollte laut Antragstext die Digitalisierungswerkstatt in fünf Unterpunkte aufgeteilt werden:

 

1. Initialveranstaltung

2. Digitalisierungscheck

3. Digitale Geschäftsmodelle und -prozesse (1. Fachmodul)

4. IT-Sicherheit (2. Fachmodul) sowie

5. Vor-Ort-Termine und Exkursionen

 

Dieser Aufbau wurde allerdings nach Projektbeginn dynamisch weiterentwickelt und gestaltete sich letztendlich nach dem jeweiligen Kenntnisstand der das Projekt bearbeitenden Mitarbeiter. Darauf wird im Kapitel 2.1. detailliert eingegangen.

 

Eine praktische Erprobung der zu erarbeitenden Qualifikationsmodule war nicht Ziel des vorliegenden Projektes. Dies sollte einem potenziellen Nachfolgeprojekt vorbehalten sein. Auf Seite 12 des Projektantrages findet sich explizit ein dem WBZU zugeordneter letzter Projektschritt „Vorbereitung Ergebnistransfer zur Entwicklung von Weiterbildungskonzepten“. Ein Abgleich mit den tatsächlich erreichten Projektergebnissen findet sich weiter unten.

 

Ein Ergebnistransfer der bis zum Projektende erarbeiteten Inhalte sollte über die Kanäle der Wirtschaftsministeriums Baden Württemberg sowie des Heinz-Piest-Institutes für Handwerkstechnik bewerkstelligt werden. Hierzu wird dieser Projektabschlussbericht zumindest diesen beiden Organisationen zur Streuung zugänglich gemacht.

 

Ein Projektbeirat wurde ernannt und dessen Mitglieder zu allen Beiratssitzungen eingeladen.

 

Die Aufgaben des Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik (HPI) wurden noch im Antrag in 3 Arbeitspakete (nachfolgend „AP´s“ genannt) aufgeteilt und wie folgt beschrieben:


AP1 – Recherche zum Thema „Digitalisierung und Qualifikation“
Es sollten dabei zum einen Qualifizierungsbedarfe durch allgemeine Recherchen und zum anderen Bedarfe der kooperierenden Handwerksbetriebe ermittelt werden.


AP2 – Status quo- und Delta-Analyse zu Lehr- und Lernsituationen
In diesem Arbeitspaket ging es um eine Bestandsaufnahme bestehender Qualifizierungsangebote, deren Clusterung nach Kompetenzfeldern und letztlich einer Delta-Analyse (vorhandene Angebote vs notwendige Kompetenzfelder).


AP3 – Wissenschaftliche Projektbegleitung
Hierbei ging es um eine unterstützende Projektbegleitung insbesondere hinsichtlich der Methodik in der Digitalisierungswerkstatt sowie einer Befragung der teilnehmenden Betriebe zur Wirkungsevaluierung.
In einer frühen Projektphase wurde von der zum damaligen Zeitpunkt agierenden Projektleitung in Absprache mit dem Ministerium beschlossen, die AP‘s 1 und 2 nicht an das HPI zu vergeben sondern WBZU-intern abzuarbeiten. Dazu wurde über einen längeren Zeitraum ein Praktikant beschäftigt. Dessen Recherchearbeiten flossen letztendlich in die Ausarbeitung der Modulinhalte (Kapitel 3) durch unterbeauftragte Dienstleister in der letzten Projektphase ein.
Für die 3 Arbeitspakete waren im Antrag zunächst 20, 25 und 61 Personentage angesetzt.

 

Wissenschaftliche Projektbegleitung durch das Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik

 

Zusammenfassung der Ergebnisse

 

Im Projektverlauf wurden fachspezifische und grundlegende Kompetenzbedarfe für die Energiehandwerke identifiziert und die durchgeführte Digitalisierungswerkstatt deckte Unterstützungsbedarfe der teilnehmenden Betriebe auf. Deren Fortschritt bei der digitalen Transformation war sehr unterschiedlich und die aufgedeckten Bedarfe waren eher von grundlegendem denn von fachspezifischem Charakter.

 

Aufgrund der geringen Zahl an teilnehmenden Betrieben liegt sicherlich kein statistisch begründetes repräsentatives Bild vor, dennoch darf vermutet werden, dass die im Zeitraum der Digitalisierungswerkstatt bearbeiteten betrieblichen Herausforderungen durchaus von typischer Natur sein könnten.

 

Die Recherche bestehender Weiterbildungsangebote zeigte Potenziale für ergänzende Qualifizierungsangebote.
Das vorliegende Konzept wurde als tragfähig bewertet und es wurde eine Weiterentwicklung zu konkreten Schulungsunterlagen für den praktischen Lehrbetrieb empfohlen. Der 45-seitige Evaluationsbericht des HPI ist Bestandteil der Projekt-Abschlussdokumentation und enthält auch die Inhalte der mit den teilnehmenden Betrieben geführten Interviews.

 

Projektergebnisse, Zielerreichung

 

Beitrag der Digi-Checks

 

Die Durchführung der Digi-Checks im Vorfeld der Digitalisierungswerkstatt diente überwiegend dazu, die gravierendsten Bedarfe der Betriebe im Bereich der betrieblichen Digitalisierung aufzudecken. Die Methodik des Digi-Checks deckt dabei individuell bedeutsame Kompetenzanforderungen der Betriebe auf und stellt diese den tatsächlich vorhandenen Möglichkeiten gegenüber, um so mittels Delta-Analyse diejenigen Bereiche mit dem größten Nachholbedarf zu identifizieren.

 

Beitrag der Digitalisierungswerkstatt

 

Die mittels der Digi-Checks ermittelten prioritären Bedarfe waren u.a. Inhalte der Digitalisierungswerkstatt. Somit gelang in jedem einzelnen Fall eine Fokussierung auf die zentralen Wünsche der Betriebe.

 

Zielerreichungsgrad bezüglich der ursprünglichen Projektziele

 

Im Zuwendungsbescheid vom 20. September 2018 wurden die folgenden Projektziele formuliert:

 

  • Entwicklung eines Qualifizierungskonzeptes zu den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung im Handwerk am Beispiel des Gewerks „Sanitär-Heizung-Klima“ (SHK). Ein Themenschwerpunkt sollte dabei die Digitalisierung der Energiewende bilden.
 
  • Es sollte mit mindestens 4 Betrieben eine Digitalisierungswerkstatt durchgeführt werden, die folgende Elemente beinhalten sollte: Initialveranstaltung (KickOff), Digitalisierungschecks mit den Betrieben der Digitalisierungswerkstatt, Vor-Ort-Besuche und Exkursionen.
 
  • Geforderte Inhalte des Qualifizierungskonzeptes:  digitale Geschäftsmodelle und -prozesse, IT-Sicherheit
 
  • Wissenschaftliche Begleitung der Digitalisierungswerkstatt durch das HPI. Des Weiteren eine Betriebsbefragung sowie Ergebniskommunikation und Netzwerkarbeit.
 
  • Abschlussveranstaltung und ergänzende Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit.

 

Die zum Projektende erreichten Ergebnisse können wie folgt beschrieben werden:

 

  • Es entstand ein Konzept mit 5 Modulen. Eines davon hat die Digitalisierung der Energiewende als Thema. Die 4 anderen lehnen sich inhaltlich an die Gliederung des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk an. Digitale Geschäftsprozesse, Digitale Fertigung und Digitale Geschäftsmodelle sind die anerkanntermaßen zentralen Handlungsfelder in der digitalen Transformation. Zusätzlich wurde ein vorgeschaltetes Basismodul entwickelt, welches der Sensibilisierung und Orientierung sowie Begriffsdefinition dienen soll. Erst im Projektverlauf wurde klar, dass die Bedarfe der SHK-Betriebe in vielen Fällen nicht rein gewerkspezifisch waren.


Diese Aufteilung in spezifische Anforderungen und solche mehr allgemeiner Art spiegelt sich in den Modulen jeweils wider. Das Modul 5 widmet sich dem Thema der Digitalisierung der Energiewende und spricht neben dem Bereich SHK auch die Elektrotechniker an und darf als sehr fachspezifisch für die Energiehandwerke angesehen werden. Wünschenswert wäre gewesen, aus den Lehrgangsgrobkonzepten und den Modulen im zeitlichen Rahmen des Projektes auch gleich komplette Skripte in Form von Power-Point-Präsentationen zu machen. Dies gelang überwiegend deswegen nicht, weil die beiden für das Projekt eingestellten Projektmanager vorzeitig das Projekt verlassen haben und letztendlich die Erstellung der Module nur noch durch Unterbeauftragungen bewerkstelligt werden konnten. Der zeitliche Rahmen ließ dann am Ende nicht mehr zu, dass ausformulierte Skripte entstehen konnten. Die sehr ausführliche Gliederung und die Qualität der geclusterten Inhalte würde aber ggf. das Entstehen solcher Skripte mit vertretbarem Aufwand zulassen.

 

  • Die Digitalisierungswerkstatt wurde mit 5 Betrieben durchgeführt. Im Vorfeld fanden die geforderten Digi-Checks als Vor-Ort-Besuche statt sowie eine KickOff-Veranstaltung. Exkursionen fanden 2019 keine statt, 2020 waren dann wegen der Corona-Pandemie auch keine mehr möglich.
 
  • Das Thema IT-Sicherheit wurde im Rahmen der Digitalisierungswerkstatt und auch während der Digi-Checks von den befragten und teilnehmenden Betrieben nicht thematisiert, was durchaus nicht seiner tatsächlichen Bedeutung entspricht. Im Modul „Digitale Geschäftsprozesse“ nimmt das Thema IT-Sicherheit dann aber breiten Raum ein. Der „Goldstandard“ für Handwerksbetriebe ist hier das BSI Grundschutzprofil Handwerk . Diese Methodik wurde Beratern im Handwerk und dem Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erarbeitet und sollte bei Beratung und Schulung von Handwerksbetrieben als Referenz dienen.
 
  • Die wissenschaftliche Begleitung des Projektes wurde vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik übernommen. Eine Ergebniskommunikation seitens des HPI hat im Projektverlauf im Netzwerk des KDH stattgefunden.
 
  • Eine Abschlussveranstaltung fand im September 2020 wegen der Pandemiesituation nur als online-Veranstaltung statt. Die 5 teilnehmenden Betriebe äußerten sich sehr wohlwollend hinsichtlich der Nützlichkeit der Digitalisierungswerkstatt und zufrieden ob der für den eigenen Betrieb erzielten Resultate. Vom HPI wurde im Rahmen von Netzwerktreffen mit dem Kompetenzzentrum Digitales Handwerk KDH über die Ulmer Digitalisierungswerkstatt berichtet. Die Ulmer Digi-Werkstatt war die erste nach diesem Schema durchgeführte Werkstatt nach derjenigen, die bei der Handwerkskammer Hannover als Pilotprojekt 2018 durchgeführt worden war.


Fazit und Ausblick (Stand 06/2021)


Die gesteckten Projektziele wurden weitestgehend erreicht. Die Projektergebnisse haben einen Konzeptcharakter mit sinnvoller Gliederung und hohem Detaillierungsgrad. Eine Umsetzung in fertige Skripte wäre mit vertretbarem Aufwand möglich.